Naturkatastrophe durch einen Vulkanausbruch

 
Home
Vulkanismus
 • Vulkan Ätna - Etna  
 • Auswirkungen  
 • Vulkanausbruch  
 • Lavagestein  
Provinzen
 • Palermo  
 • Catania  
 • Messina  
 • Syrakus  
Gemeinden
 • Piazza Armerina  
 • Taormina  
 • Acireale  
Inseln
 • Äolische  
 • Ägadische  
 • Ustica
 • Lampedusa
 • Pantelleria
 
Sizilien
 • Musik  
 • Fotos  
 • Urlaub  
 • Klima  
 • Keramik  
 • Bus Fahrplan  
 • Flughafen  
 • Geschichte  
 • Streckenplaner  
 • Persönlichkeiten  
Sehenswürdigkeiten
 • Villa del Casale  
 • Castel Ursino  
Informationen
 • Partner  
 • Impressum  

Auswirkungen nach einem Vulkanausbruch, Eindrücke einer Naturkatastrophe

Im Jahr 2001 verlies ich Deutschland auf ungewisse Zeit, es sollte ca. 1 Jahr werden, ein Jahr auf Sizilien, der Heimat meiner Eltern und Vorfahren. In Deutschland geboren und aufgewachsen zog es mich im Urlaub immer nach Sizilien, bis ich mehr wollte als nur 6 Wochen Urlaub. Ich entschloss mich kurz nach den Attentaten vom 11 September nach Sizilien zu reisen und auch dort zu bleiben. Da mein Opa ein schönes Haus besitzt und Platz für mich vorhanden war realisierte ich mir einen kleinen Traum und reiste in den Süden. Das nur als kleine Vorgeschichte des eigentlichen Thema, der Vulkan Ätna (Etna) auf Sizilien. Ich möchte ihnen einen kleinen Einblick meines Lebens bieten und von meinen Tagen berichten, die ich mit dem Vulkan teilen durfte.

Ich hatte das Glück das ich am ersten Tag der neuen Erruptions Welle in Catania gewesen bin. Es war so beeindruckend und doch beängstigend zugleich. Mein Nachbar liebt das Angeln so sehr wie ich und so war es wie fast jeden Sonntag das wir zum Angeln an den Strand gefahren sind. Da in dieser Jahreszeit, es war Oktober eine bestimmte Fischsorte in den Hafen von Catania kommt, hatte es uns an diesem Morgen an den Hafen von Catania getrieben.

Morgens so gegen 5 Uhr hörte man plötzlich immer lauter werdendes Brummen, das Geäusch war zwar vom Vulkan aber sehr dumpf, mein Nachbar sagte das der Berg wohl schlecht gegessen habe und eine Magenverstimmung hätte. Tja am Meer lässt sich sowas auch gut sagen, solange ein Sizilianer auf der sicheren Seite steht, verlässt ihn auch nie sein Humor, doch das sollte sich an diesem Morgen noch ändern. Die letzten Wochen kam es immer wieder zu seismischen Bewegungen in ganz Sizilien aber wirklich ernst nimmt das kaum einer. Man redet einige Tage mit den Nachbarn darüber und gut ist. Erst ein paar Wochen vorher hatte es starke Erdbeben in Palermo gegeben und der Ätna brummte auch schon so ein paar Wochen etwas kräftiger als sonst. Mich interessierte der Vulkan schon immer und so war ich auf der Lauer um neues zu erfahren.

Es wurde 6 Uhr und langsam ging die Sonne auf, ich erblickte einen enormen schwarzen Streifen am Himmel. Der Streifen war so was von lang das ich das Ende nicht erblicken konnte. So was hatte ich noch nie gesehen. Sofort stand ich auf und versuchte einen Blick auf den Berg zu werfen und musste dazu auch mein Angelplatz verlassen. Mein Nachbar hielt da gar nichts von, der lässt sich beim Angeln ungern ablenken und schon gar nicht von einer Rauchwolke. Doch war diese Wolke so lang das meine Neugier nicht ruhen wollte.
Ich wollte ergründen was es mit der schwarzen Wolke auf sich hatte, ein Waldbrand vermutete ich, aber als ich dann den Ätna erblickte war mir das Ausmaß dieser Explosion klar. Ich konnte es nicht fassen, eine enorme Wolke umnebelte die gesamte Kuppel, mehrere Kilometer dick der Nebel den ich dort zu sehen bekam. Durch den Wind wurden enorme Asche Mengen in die Luft getragen und bewegten sich in Richtung Afrika, wo sie auch am Abend bereits eingetroffen waren.
Ich berichtete es schnell meinem Nachbarn der dann endlich auch aufstand und sich das ganze aus der Ferne anschaute. Minchia... sagte er und das mag schon was heißen wenn er solch ein Wort in den Mund nimmt ;o) na ja noch fand ich es lustig aber er sagte dann das wir schnell nachhause müssten, das sehe gar nicht gut aus. So wurde aus dem gelassenen Sinior Orazio, ein hektischer Rentner der schnell sein Zuhause aufsuchen wollte. Dazu sei gesagt das wir beide in Tremestieri Etneo wohnen einem kleinen Dorf in der Nähe von Trecastagni und Nicolosi. Also, schon etwas näher am Ätna als Catania selbst.

Für mich war es der größte Ausbruch den ich bis dato erleben durfte, ein paar kleine hatte ich auch schon gesehen, die ersten Aufnahmen von mir entstanden 1995 aber so ein Anblick war enorm. Wir packten unsere Angelsachen und hatten nurnoch den Gedanken schnell nachhause zu kommen und nach dem rechten zu schauen. Langsam machte ich mir auch Sorgen als ich die ersten Menschen auf der Strasse sprechen hörte.

Bereits auf dem Weg Nachhause bemerkten wir die Unruhe die bereits ausgebrochen war und um so näher wir unserem Zuhause kamen desto mehr Ascheregen viel auf uns herab, bald konnte man vor lauter Asche und Staub nichts mehr erkennen, um zu atmen mussten die Menschen Tücher vor den Mund nehmen. Doch der Asche Regen viel unentwegt und gelang auch in die Augen und so wurde das ganze zu einem unerträglichen Leidensweg für jene die zu Fuß unterwegs waren.

Chaos sag ich euch, die Dunkelheit am Tage da die Sonne nicht durchdringte und ständig prasselten kleine Steinchen auf uns hernieder. Durch die fahrenden Autos und den herrschenden Wind wurde dieser feine bis grobe Sand ständig umhergewirbelt und innerhalb kürzester Zeit hatte man den Sand überall dort wo man sich nur vorstellen kann. Von den Haaren ganz zu schweigen setzte sich der Sand in allem fest was nicht hermetisch dicht war.

Als wir dann endlich Daheim angekommen waren erwarteten uns auch schon die anderen Nachbarn und Familienangehörige. Alle standen wir da und konnten kaum etwas sehen da ja ständig der vulkanische Sand auf uns hernieder viel. In den Nachrichten wurde sie Situation auch mit Luftaufnahmen geschildert. Catania und die umliegenden Städte wurden in den nächsten Wochen völlig zugeschüttet. Kaum vorstellbar wie viel Material aus dem Ätna geschleudert wurde. Einige meiner privaten Videoaufzeichnungen dürften das Ausmaß schildern können.
Die letzten Jahre ist der Ätna besonders aktiv gewesen, nachdem er 2001 das Dorf Nicolosi verschonte startete er im Oktober 2002 ein vier Monate langes Feuerwerk, wo man Lava Fontänen sehen konnte die über 200 Meter in die Luft schossen. Bei diesem Ausbruch bildete sich eine über 6000 km lange Aschewolke die man auf manchen Satellitenaufnahmen sehr schön sehen kann.
Jeden Tag musste die Einfahrt so gut es ging gereinigt werden aber es wurde immer schlimmer, der Staub und die Asche wurde durch Winde immer wieder zu uns getragen und jeder Tag an dem der Wind mal anders wehte und der Sand nicht auf uns hernieder viel wurde regelrecht gefeiert. Doch nutzten wir solche Tage dann immer für Reinigungsarbeiten. Das Material der letzten Tage musste aus dem Grundstück entfernen werden sonst hätte es sich zu enorm angesammelt. Anfänglich sagte ich meinem Opa das wir alles in den Garten werfen sollten, da der Sand viele wichtige Mineralien enthält und guter Dünger ist. Doch in den folgenden Wochen ergossen sich so viele Tonnen über uns das wir vor unserem Grundstück einen ca. 2,5 Meter hohen und auch breiten Berg Vulkansand anhäuften. Neben den 1,5 Tonnen welche ich mit meinem Bruder fein säuberlich in Säcke gepackt habe und den ?? Tonnen die wir in 1000 m² Garten verteilen weil, wir ein rasches Ende der Aktivitäten erwarteten.

Es ging aber noch Monate so weiter und der Zustand war unbeschreiblich. Masken wurden gegen den Staub verteilt nachdem man feststellte das der Staub aus kleinen Kristallen und Steinchen besteht die so hart sind, das sie selbst Glas schneiden. Lungenschäden sowie Hornhaut-Verletzungen waren die Folgen. Besonders ältere Menschen die unter Asma litten hatten es in diesen Monaten schwer.

Kaum etwas wurde vom Staat getan, das muss hier gesagt werden. Nur 10000 Masken wurden anfänglich in Catania verteilt, dabei waren wir über 1 Millionen betroffener Menschen. Erst nach Monaten der Inhalierung dieses schädlichen Vulkan-Staubs waren Masken für alle verfügbar, aber die Menschen wurden schlecht oder gar nicht aufgeklärt wie schädlich der Sand denn nun eigentlich gewesen ist. So waren es fast nur die Jungen Menschen die solche Masken auch nutzten. Ich würde sagen das ca. 5 % Masken getragen haben, Sonnenbrillen dagegen hatte fast jeder auf der Nase. Was der Mensch sieht an das glaubt er aber das was er einatmet scheint ihn nicht zu interessieren... trauriges Menschenschicksal und ein anderes Thema.

Sizilien wurde vergessen, nachdem in Italien am 31.10.02 in der Region Molise nach einem Erdbeben mehrere Kinder und Erwachsene ums Leben gekommen waren war die Presse sofort am neuen Ort des Geschehens. Kurz zuvor wurde Santa Venerina ein Dorf am Hang des Ätna durch ein Erdbeben zerstört. Durch die vielen toten Kinder in Molise berichteten die Nachrichten aber bevorzugt aus dieser Region da die Schäden dort auch größer gewesen sind. Wo mehr Dramatik herrscht, findet sich auch 80% der Presse wieder. So wurden dort auch schnell Gelder gewilligt die den Wiederaufbau sicherten doch Santa Venerina auf Sizilien ist bis dato noch vom Erdbeben 02 auf 03 gezeichnet. Heute kann man unter www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/budg/20030910/431000de.pdf einsehen wieviel Gelder wohl gewilligt wurden, aber Catania´s Bürger ist nicht viel zugute gekommen, das kann ich bestätigen. Catania wurde regelrecht begraben und der Staat hat nur zugeschaut und nichts getan.

Ich war schwer enttäuscht vom italienischen Staat, alles haben wir alleine geschafft und mit Hilfe der Familie und der Nachbarn. Der Staat hat nichtmals die Sandberge vor unseren Türen entfernt. Die Steuern für die Müllbeseitigung jedoch um 100% erhöht. Gereinigt wurde dann auch nur in Catania, wir in Tremestieri Etneo zum Beispiel durften gut zahlen, geholfen wurde uns dort nicht. Alle Strassen wurde von den Bewohnern selbst gereinigt.
Es wurde immer schlimmer, die Regenrinnen füllten sich mit Vulkansand und verstopften nach einigen Wochen und verhinderten so das Wasser abfließen konnte. Wir mussten auf die Dächer und die Regenrinnen reinigen. Es war mitte November und bei 5 Grad, Wind und Ascheregen ist das schon sehr ungemütlich. Der Vulkansand wurde durch den Regen der letzten Tage so hart wie Erde und schnell bemerkte ich das die Reinigung der Regenrinne einige Stunden dauern würde.
So war es dann auch, während ich die steife Masse entfernte viel auch schon der neue Ascheregen der langsam aber stetig wieder alles füllte. Aus diesem Klettersport wurde ein 2 Wochenaufgabe, regelmäßig musste ich auf das Dach steigen und den Vulkansand entfernen. Wer länger wartete der riskierte das ihm die gesamte Konstruktion irgendwann über den Kopf zusammen viel.

Das Gewicht der Asche ist größer als man denken mag. So habe ich eine 1,5 Liter Flasche mit diesem Sand gefüllt und sie hat über 2,2 Kilo gewogen, was die enorme Dichte wohl beweist. Allein der Sand aus der Regenrinne war ca. 1 Tonne schwer, soviel hatte sich nach 2 Wochen angesammelt. Durch die Erdbeben die wir gelegentlich ertragen durften konnte man kein weiteres Gewicht auf den Dächern belassen.

Der Flughafen in Catania verabschiedete sich auch recht schnell und alles wurde nach Palermo geleitet. Für mich kam das sehr ungelegen da ich kurz vor der Abreise stand und wieder nach Deutschland wollte. Nach einem langen Aufenthalt auf Sizilien wollte ich wieder Heim. Es sollte aber von Catania aus sein, ansonsten würde ich warten und das tat ich auch.

Der Ätna wurde ab Mitte Januar ruhiger und so stabilisierten sich auch dort wieder die alten Verhältnisse und der Flughafen konnte erneut angeflogen werden. Zum Schluss bin ich 4 Monate länger auf Sizilien geblieben als ich eigentlich wollte. Doch zum einen konnte und wollte ich mir dieses Schauspiel nicht entgehen lassen und zum andern konnte ich mein Opa und meine Oma nicht alleine lassen. Die zwei hätten es zu schwer gehabt, es war gut das ich geblieben und nicht von Palermo aus geflogen bin.
Ausbruch 2002 <---- Vergrösserung
Hier sieht man das Ende der ausbruchs Phase mitte Januar 2003. Die Aschewolke wurde zunehmend kleiner.


Ausbruch 2002 <---- Vergrösserung
Das Foto entstand kurz vor meiner Abreise ende Januar.
Erst für den (01.02.03--- was für ein Datum oder: o)) konnte ich den ersten Flug von Catania nach Düsseldorf bekommen und war wirklich froh als ich in Düsseldorf landete. Das soll nicht heißen das meine Trauer Sizilien verlassen zu haben gering gewesen ist, im Gegenteil, denn schnell bemerkte ich was ich denn da verlassen hatte. So sehr war ich schon im sizilianischem Alltag gefangen das es mir die ersten Wochen sehr schwer viel mich wieder zu integrieren.
Mein Gehirn dachte nach fast 2 Jahren schon in sizilianischer Sprache und wer die Grammatik kennt der weiß auch das dort einiges umgekehrt ist. Nach ein paar Wochen war alles wieder beim alten was mein Deutsch betrifft und auch fand ich wieder gefallen an Deutschland, es wurde wärmer und der kalte sowie erlebnisreiche Winter war endlich vorbei.

Urlaub auf Sizilien

Sizilien Resort - Urlaub genießen

Kommen Sie uns besuchen, direkt im Naturschutzpark Parco dell Etna am Hang des Vulkan Ätna in idyllischer Lage, mit Restaurant, Mountainbike-Verleih, Reitausflügen, Trekkingangebot & deutscher Betreuung. Übernachtung ab 30 Euro pro Person. weitere Infos über Sizilien Resort

© 2002 - 2011 www.sizilien-etna.de